Vomens Bar Digitale: Zum Aushalten von politischen Unterschieden und Widersprüchen mit Nicole Schweiß

„In feministischen und dekolonialen Theorien finden sich viele Stimmen, die Ambivalenz nicht fürchten, sondern als Quelle politischer Ethik begreifen. Audre Lorde spricht von der Notwendigkeit, Differenz zu leben – auch innerhalb marginalisierter Positionen. Bell hooks fordert love als radikale politische Praxis – nicht als Harmonie, sondern als Fähigkeit, in Konflikt zu bleiben, ohne zu zerstören. Diese Perspektiven fordern ein politisches Projekt der Verwundbarkeit ohne Regression. Sie betonen, dass Empowerment nicht gegen Ambivalenz immunisieren darf, sondern sie gerade zum Ausgangspunkt politischer Subjektwerdung machen muss. Empowerment heißt dann nicht: Ich bin stark und unverwundbar. Sondern: Ich bin sichtbar – auch in meinen Wiedersprüchen, in meiner Unsicherheit, in meiner Unvollständigkeit.“

Dieses Zitat ist ein Ausschnitt eines Posts (Instagram) von Nicole Schweiß vom Kleine Pause Podcast. Sie denkt darin laut, wie sich emanzipatorische und antifaschistische Kämpfe zusammenkämpfen lassen, sie reflektiert selbstkritisch über autoritäre Züge von exklusiven Räumen und der praktischen Anwendbarkeit von Ambiguitätstoleranz.
In dieser Vomens Bar denken wir den Post laut weiter. Wir fragen uns, warum wir nach Eindeutigkeit suchen, warum es gerade bei Kämpfen, wie Antirassismus oder Feminismus so schwer ist, Mehrdeutigkeit zuzulassen – und welche Konsequenzen dennoch darin liegen, es nicht zu versuchen. Fortlaufend.
Nicht linear, nicht einheitlich, nicht gleich, sondern eben als kompliziertes Knäuel.

Sendedatum: 03/04/2026 20:00 - 03/04/2026 21:00

Sprache: Deutsch

Sendung: Vomens Bar digitale

Tags: Bildung Gespräch Interview Podcast Podcast